Die Auswertung der Zahlen zum Ü7-Verfahren 2025 zeigt erneut: Das Schulplatzangebot in Potsdam passt nicht zu den Wünschen und Empfehlungen für die Schüler*innen der 6. Klassen. Hunderte Erstwünsche konnten nicht erfüllt werden, viele Familien mussten Widersprüche einlegen oder sind auf Schulen in freier Trägerschaft ausgewichen.
Angesichts dieser Entwicklungen erhebt der Kreiselternrat Potsdam (KER) deutliche Forderungen an die Stadt und das Land, um die Schulentwicklungsplanung zukunftsfähig zu gestalten.
Forderungen des Kreiselternrats Potsdam
- Aktualisierung und Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung: Alle erforderlichen Daten müssen umgehend erhoben und in die integrierte Kita- und Schulentwicklungsplanung aufgenommen werden.
- Überregionale Zusammenarbeit: Die Gespräche zur Anpassung der Planung müssen auf Verwaltungsebene fortgesetzt werden.
- Transparente Analysen: Das Wahlverhalten der Eltern (Erstwünsche) und die Bildungsgangempfehlungen der Grundschulen müssen systematisch ausgewertet werden.
- Attraktivität unternachgefragter Schulen steigern: Gründe für die geringe Nachfrage müssen untersucht und Konzepte zur Verbesserung entwickelt werden.
- Formelle Beteiligung: Schüler-, Eltern- und Lehrkräfteräte sowie der Kreisschulbeirat müssen verbindlich in die Planungsprozesse einbezogen werden.
- Elternumfrage wiederholen: Im Dezember 2025 soll die Umfrage zum Ü7-Verfahren erneut durchgeführt werden, um aktuelle Daten zur Nachfragemotivation zu gewinnen.
- Wahlfreiheit sichern: Jede Familie muss einen Platz an der gewünschten Schulform – insbesondere Gesamtschulen – erhalten.
Hintergrund
Im Ü7-Verfahren 2025 gab es in Potsdam:
- 421 erfolglose Erstwünsche
- 101 Aufnahmen im Angebotsverfahren
- 37 Aufnahmen durch Zuweisung
- 81 Widersprüche gegen abgelehnte Aufnahmen, davon 22 im verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren
- 116 Abwanderungen aus dem staatlichen Verfahren, vor allem an Schulen in freier Trägerschaft
Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit einer verbesserten Schulentwicklungsplanung.
Bildungsgangempfehlungen der Grundschulen
Von insgesamt 1.700 Bildungsgangempfehlungen in Klasse 6 entfielen:
- 71 % (1.200) auf den Bildungsgang Allgemeine Hochschulreife (AHR)
- 25 % (428) auf Fachoberschulreife (FOR)
- 3 % (57) auf Erweiterte Berufsbildungsreife (EBR)
Die hohe Zahl an AHR-Empfehlungen übersteigt deutlich die Kapazitäten der Gesamtschulen, die einen Aufnahmedeckel von einem Drittel für AHR-Schüler*innen haben.
Nachfrage und Schulplatzverteilung
- Insgesamt 421 Erstwünsche konnten nicht erfüllt werden.
- Die Nachfrage nach Schulplätzen unterscheidet sich je nach Schule zum Teil sehr stark – auch jeweils innerhalb der Gruppen der Gymnasien, Gesamtschulen und Oberschulen.
- Trotz Zuweisungen blieben 71 Schulplätze unbesetzt.
- Rund 20 % der Potsdamer Schüler*innen in Mittel- und Oberstufe besuchen mittlerweile Schulen in freier Trägerschaft – ein blinder Fleck in der bisherigen Schulentwicklungsplanung.
Quellen:
Alle Daten stammen aus der vorläufigen Ü7-Statistik (II) des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), Stand Ende Schuljahr 2024/25.
👉 Die vollständige Auswertung mit allen Zahlen und Analysen steht hier zum Download bereit:

