OB-Wahl 2025: Schulentwicklung stärker an Elternwünschen ausrichten

Der Kreiselternrat Potsdam begrüßt, dass beide OB-Kandidaten beabsichtigen, die Schulentwicklung künftig stärker an den Elternwünschen auszurichten!

In Potsdam erhalten weiterhin viele Kinder keinen Platz an ihrer Wunschschule. Deshalb hat der Kreiselternrat (KER) sieben zentrale Forderungen für die anstehende Neuauflage der Schulentwicklungsplanung erhebt. Diese Planung legt fest, wie viele Schulplätze wo entstehen und wie Schulformen im Stadtgebiet verteilt werden. Grundlage dafür sind Daten zu Bevölkerungsentwicklung, Schülerzahlen und Elternwünschen.

Eine besondere Rolle spielt das sogenannte Ü7-Verfahren – das Übergangsverfahren von der 6. Klasse (Grundschule) in die 7. Klasse (Sekundarstufe I). Dabei geben Eltern einen Erstwunsch für die weiterführende Schule ihres Kindes ab. Wenn bestimmte Schulen übernachgefragt sind, müssen Kinder auf andere Schulen verteilt werden. Umgekehrt gibt es auch Schulen mit einer sogenannten Unternachfrage, also weniger Bewerbungen als freie Plätze. Der KER fordert, diese Ursachen genauer zu analysieren und die Schulentwicklungsplanung entsprechend anzupassen.

Die beiden Oberbürgermeisterkandidaten Noosha Aubel und Dr. Severin Fischer haben zu den Forderungen Stellung genommen. Ihre Antworten geben vielen Eltern Hoffnung auf mehr Transparenz, Beteiligung und bedarfsgerechte Schulentwicklung in Potsdam.

Stellungnahmen der OB-Kandidaten zu den Forderungen des Kreiselternrats Potsdam

Forderung 1: Datenbasis sichern

KER: Die erforderlichen Daten zu einer Anpassung und Fortschreibung der Integrierten Kita- und Schulentwicklungsplanung sind unverzüglich zu erheben, damit eine ausreichende Erörterung möglich wird.

Stellungnahme Aubel: Volle Zustimmung.

Stellungnahme Dr. Fischer: Eine verlässliche Planung braucht eine solide Datengrundlage. Ich teile Ihre Forderung, dass die relevanten Daten unverzüglich erhoben werden müssen. Nur auf Basis aktueller, belastbarer Zahlen kann über Standorte, Kapazitäten und Bedarfe sachgerecht entschieden werden.

Forderung 2: Analyse des Schulwahlverhaltens

KER: Eine nachvollziehbare schul- und stadtteilbezogene Analyse des Wahlverhaltens (Erstwunsch) beim Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe sowie eine Auswertung der Bildungsgangempfehlungen der Grundschulgutachten muss integraler Bestandteil der Schulentwicklungsplanung sein.

Stellungnahme Aubel: Gerne würde ich mit Ihnen erörtern, welche weitergehenden, konkreten Bedarfe Ihrerseits bestehen. Das Anwahlverhalten und Bildungsgangempfehlungen sind bereits Teil der Schulentwicklungsplanung. Eine stadtteilbezogene Analyse des Wahlverhaltens ist m.W. nicht möglich, da der Wohnort der SuS nicht dem Schulträger bekannt ist. 

Stellungnahme Dr. Fischer: Die Übergänge zwischen Grund- und weiterführenden Schulen sind entscheidende Momente in der Bildungslaufbahn vieler Kinder. Eine nachvollziehbare Analyse des Erstwahlverhaltens sowie der Bildungsgangempfehlungen ist daher zwingend notwendig. Ich unterstütze, dass diese Aspekte fester Bestandteil der Schulentwicklungsplanung werden. Sie liefern wichtige Erkenntnisse für ein ausgewogenes Schulangebot in allen Stadtteilen.

Forderung 3: Elternumfrage wiederholen

KER: Die vom Kreiselternrat Potsdam und der Landeshauptstadt im Jahr 2024 durchgeführte Elternumfrage zum Ü7 Verfahren muss im Dezember 2025 wiederholt werden, um eine repräsentative Datengrundlage zur Nachfragemotivation zu gewinnen. Wegen der kurzen Vorbereitung im Vorjahr haben zu wenig Schulen und Eltern daran teilgenommen, um ein repräsentatives Bild zu erhalten. Gleichwohl ist diese Umfrage bislang die einzige(!) qualitative Grundlage, die Aufschluss über die Motivation zum Anwahlverhalten gibt.

Stellungnahme Aubel: Es erscheint mir unrealistisch eine flächendeckende Elternumfrage zum Ü7 im Dezember 2025 durchzurühren, sofern diese verwaltungsseitig noch nicht angeschoben ist. Lassen Sie uns gerne klären, zu wann eine solche Befragung mit welchen konkreten zielführend, aber auch durch Verwaltung leistbar ist.

Stellungnahme Dr. Fischer: Die Elternumfrage 2024 war ein wichtiger erster Schritt. Dass sie zeitnah mit besserer Beteiligung wiederholt wird, erscheint sinnvoll und notwendig, um die Nachfragemotive besser zu verstehen. Ich spreche mich klar dafür aus, dass die Landeshauptstadt Potsdam gemeinsam mit dem Kreiselternrat die Durchführung sicherstellt und die Ergebnisse transparent veröffentlicht.

Forderung 4: Überregionale Abstimmung

KER: Sowohl auf politischer Ebene als auch auf der Verwaltungsebene müssen die Gespräche zur überregionalen Anpassung der Schulentwicklungsplanung zeitnah fortgesetzt werden.

Stellungnahme Aubel: Zustimmung.

Stellungnahme Dr. Fischer: Bildungsplanung endet nicht an Stadtgrenzen. Ich unterstütze ausdrücklich, dass die Gespräche mit den Nachbarkommunen und dem Landkreis Potsdam-Mittelmark fortgesetzt werden, um überregionale Lösungen zu ermöglichen. Schulentwicklungsplanung ist eine gemeinsame Aufgabe im Bildungsraum Potsdam und Umland.

Forderung 5: Schulplätze für alle Familien

KER: Im Ergebnis muss die Schulentwicklungsplanung gewährleisten, dass allen Familien ein Platz an der von ihnen gewünschten Schulform zur Verfügung gestellt wird – und zwar nicht nur Gymnasien, sondern auch an Gesamtschulen.

Stellungnahme Aubel: Zustimmung.
Aktuell stehen ausreichend Plätze an Gesamtschulen zur Verfügung, allerdings nicht an den gewünschten Schulen. Hier müssen wir dringend in die weitere Optimierung. Auch müssen wir mehr Plätze in Gymnasien schaffen. Die demographische Entwicklung gilt es bei den Planungen adäquat zu berücksichtigen.

Stellungnahme Dr. Fischer: Eltern und Kinder sollen nicht das Gefühl haben, „um Schulplätze kämpfen“ zu müssen. Ich setze mich dafür ein, dass im Grundsatz allen Familien ein Platz an der von ihnen gewünschten Schulform angeboten werden kann – ob Gymnasium oder Gesamtschule.

Forderung 6: Frühzeitige Beteiligung von Gremien

KER: Die Kreisräte der Schüler, Eltern und Lehrkräfte sowie der Kreisschulbeirat müssen am Prozess der Schulentwicklungsplanung frühzeitig und förmlich beteiligt werden.

Stellungnahme Aubel: Volle Zustimmung.

Stellungnahme Dr. Fischer: Partizipation ist kein formaler Akt, sondern eine Voraussetzung für Akzeptanz. Ich unterstütze ausdrücklich Ihre Forderung, dass Kreiselternrat, Kreisschulbeirat und die Kreisräte der Schüler, Eltern und Lehrkräfte frühzeitig in den Prozess eingebunden werden. Entscheidungen über Schulen müssen gemeinsam mit denen getroffen werden, die Schule täglich erleben.

Forderung 7: Ursachen unternachgefragter Schulen analysieren

KER: Parallel zur Schulentwicklungsplanung müssen die Gründe für die mangelnde Attraktivität stark unternachgefragter Schulen systematisch untersucht und aufgearbeitet werden. Sofern die Schulen fortgeführt werden, muss die Schulentwicklungsplanung eine konzeptionelle Perspektive aufzeigen, welche die Attraktivität verbessert und so die Fortführung rechtfertigt. Dazu gibt es auch Beschlüsse des Ausschusses für Bildung und Sport, die noch nicht umgesetzt wurden. Diese Analyse muss neben dem Schulträger auch das Staatliche Schulamt, die jeweiligen Schulleitungen und die jeweiligen Mitwirkungsgremien – sowohl auf Schul- als auch Kreisebene – einbeziehen.

Stellungnahme Aubel: Dies ist eine komplexe Thematik. Gerne möchte ich mit Ihnen, sofern ich gewählt werde, die kommunalen Möglichkeiten im Zusammenspiel mit dem staatlichen Schulamt ausloten.

Stellungnahme Dr. Fischer: Stark unternachgefragte Schulen brauchen keine Stigmatisierung, sondern eine faire Analyse und konkrete Unterstützung. Ich teile die Auffassung, dass die Ursachen systematisch untersucht und gemeinsam mit Schulamt, Schulleitungen und Eltern Lösungen entwickelt werden müssen – von pädagogischen Konzepten bis hin zu baulichen Verbesserungen. Schulen in den schwierigsten Sozialräumen brauchen im Zweifel auch die größte Unterstützung durch die Landeshauptstadt.